Das Oberaspher Wappen – gelb-blaues Markenzeichen

von Horst Wagner

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„Der Begriff „Wappen“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutete zu dieser Zeit „Waffe“. Erst im 16. Jahrhundert bildete sich die begriffliche Trennung von „Waffe“ als Kampfgerät und „Schild“ als Schutzwaffe zu dem Begriff Wappen in seiner heutigen Bedeutung heraus.
Ein Wappen – zumeist als schildförmiges Zeichen (in Anlehnung an den Schild als Schutzwaffe, wie er im Altertum verwendet wurde) – kann beispielsweise symbolisch für einen Staat, ein Land, oder eine Stadt als Hoheitszeichen stehen, oder aber auch symbolisch die Bedeutung einer Dynastie, einer Familie oder einer Person repräsentieren und legitimieren sowie das Logo oder Signet von z. B. Körperschaften, Vereinen und Studentenverbindungen sein.
Wappen, die eine Erhebung in den Adelsstand belegen, sind zumeist erblich.
Sie wurden ursprünglich in stilisierender Darstellung und meist mehrfarbiger Gestaltung nach vorgegebener Kodifizierung gestaltet, basierend auf den Vorgaben der überlieferten Heraldik.
Die tatsächlich verwendeten Wappen von Körperschaften des öffentlichen Rechts, welche nicht Länder der Bundesrepublik Deutschland sind (etwa Städte, Kreise, Gemeinden und Universitäten) werden durch das Namensrecht des § 12 BGB entsprechend geschützt, dies gilt auch für die Verwendung ähnlicher und mit dem Originalwappen verwechselbarer Wappen.“ (1)

Oberasphe war bis zur Gebietsreform in 1974 eine selbständige politische Gemeinde. Also handelt es sich in unserem Fall um ein Wappen einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die Idee zu einem eigenen Gemeindewappen sowie zu einer eigenen Flagge entstand, als in 1959 das neu errichtete Dorfgemeinschaftshaus eingeweiht werden sollte.
In der Sitzung vom 2. August 1959 wurde im Protokoll der Gemeindevertretung festgehalten:

Protokoll GV

„Die Gemeindevertretung beschließt Ferdinand Specht zu beauftragen die Wappenangelegenheit weiter zu treiben und zum Abschluß zu bringen. Ferner wird der Bürgermeister gebeten dafür zu sorgen daß die Angelegenheit bei den zuständigen Behörden zur Vorlage gebracht wird.“

Bürgermeister zu dieser Zeit war Karl Hallenberger. Der Gemeindevertreter Ferdinand Specht war auch damit befasst, eine Dorfchronik zu erstellen und hatte sich daher bereits mit den geschichtlichen Voraussetzungen für ein Wappen befasst.

Die Einweihung des Dorfgemeinschaftshauses war bereits für den 5. September geplant, die Zeit drängte also.

  • Es wurde eine Stellungnahme des Staatsarchivs Marburg zu dem vorgeschlagenen Entwurf eingeholt. Von dort wurden nur geringfügige Korrekturen vorgeschlagen.
  • Der Landrat des Kreises Frankenberg wurde gebeten, die Angelegenheit schnellstens zu bearbeiten und das Anliegen an den Regierungspräsidenten in Kassel und an den Hessischen Minister des Innern zu empfehlen.
  • Am 27. August erfolgte die Zustimmung des Regierungspräsidenten.
  • Am 3. September, also zwei Tage vor der Einweihung des Dorfgemeinschaftshauses, genehmigte der Hessische Minister des Innern der Gemeinde Oberasphe „… das nachstehend beschriebene Wappen und die nachstehend beschriebene Flagge zu führen:“
Wappenbeschreibung

Wappenbeschreibung aus der Genehmigung von 1959

 

Mit dem Entwurf des Wappens hatte die Gemeindevertretung den „Akademischen Maler“ Richard Assman in Fürstenhagen betraut.

Die Vorlage zu dem Entwurf lieferte das Wappenbild der alten hessischen Familie von Dersch. Das Geschlecht von Dersch war im Raum Oberasphe/Frohnhausen ansässig. Die Einwohner waren an die Familie zehntpflichtig. Somit hatte das Wappen dieser Familie für Oberasphe eine historische Bedeutung. Da das Geschlecht von Dersch bereits im Jahr 1717 ausgestorben war, entfiel die  Zustimmung der ehemals wappenberechtigten Familie.

Wappens

von links nach Rechts: Stammwappen der Familie Dersch (hier finden sich die drei schräg gestellten Rauten wieder), Kombination beider Stammwappen nach Aussterben der Familie von Diedenshausen, Stammwappen der Familie von Diedenshausen (hier findet sich das Kleeblatt wieder)

Nach dem 5.September 1959 wehte und weht in Oberasphe bei allen besonderen Anlässen die Oberaspher Flagge mit dem Oberaspher Wappen.

Wappen

Das Oberaspher Wappen

Als in 1974 Oberasphe in die neue Großgemeinde Münchhausen eigegliedert wurde, war es der einzige Ortsteil, der bisher ein eigenes Wappen und eine eigene Flagge hatte, die offiziell anerkannt waren. Seitdem ist es kein Gemeindewappen mehr, dieses ist jetzt das neu gestaltete und anerkannte Wappen von Münchhausen. Aber das alte Wappenrecht besteht nach wie vor im Ortsteil Oberasphe.

Hier hat es zu einer großen Anerkennung gefunden, mit dem sich alle Oberaspher identifizieren. Man sieht es nicht nur bei festlichen oder offiziellen Anlässen, man findet es auch bei den Vereinsheimen, an Haustüren, an Häuserfassaden und in Form einer Fahne in nahezu jedem Haushalt.

Fahne

Die Oberaspher Flagge

 

 

Quellen:

(1)       Wikipedia. Stand November 2015

(2)       Dr. Wolfhard Vahl, Hessisches Staatsarchiv Marburg, April 2015